50.000 feiern vorläufigen Rodungsstopp am Hambacher Forst

Sollte der Hambacher Forst bislang noch kein Symbol für den Widerstand gegen den fossilen Energieträger Braunkohle geworden sein, so ist er das spätestens am 6. Oktober 2018. An diesem Tag riefen BUND, die Naturfreunde Deutschland und Greenpeace zu einer Großdemonstration auf, um gegen die geplante Rodung des Waldes die Stimme zu erheben – neben Vertretern von Green City e.V. und der Green City AG folgten Menschen aus ganz Deutschland sowie darüber hinaus diesem Aufruf.

20181006 Hambacher Forst Green City AG

Rodung des Waldes ist vorerst unzulässig

Der Großdemonstration waren turbulente Ereignisse vorangegangen. Zunächst versuchten Behörden die Demo aufgrund von Sicherheitsbedenken zu verbieten. Das Verwaltungsgericht Aachen hob das Verbot aber auf. Und nachdem die Rodung des Waldes durch den Energiekonzern RWE schon beschlossene Sache schien, gab das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster überraschend einer Klage des BUND aus dem April 2018 statt. Das OVG entschied per per Eilbeschluss, dass RWE durch eine Rodung des Waldes keine Tatsachen schaffen und Schäden anrichten darf, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Der Jahrtausende alte Wald mit teilweise hunderte Jahre altem Baumbestand ist Lebensraum für viele seltene Tierarten wie beispielsweise die Bechsteinfledermaus. Dennoch ist der Rodungsstopp keine endgültige Entscheidung. Er ist der Beginn eines Rechtsstreits, der sich nach ersten Schätzungen etwa zwei Jahre lang hinziehen wird.

20180610_Hambacher Forst_Edward Beierlein / Green City AG

Green City machte sich auf den langen Weg in den Hambacher Forst

Dennoch ist der Beschluss des OVG ein wichtiges Signal, und so wurde am 6. Oktober nicht nur gegen die geplante Rodung des Hamacher Forstes und gegen Braunkohleförderung demonstriert, sondern auch gefeiert. Busse reisten aus Hamburg, aus der Lausitz und aus den Niederlanden an. Auch die Green City-Familie machte sich mit gemeinsam mit etwa 100 MitfahrerInnen und zwei Bussen auf den Weg nach Kerpen. Vor Ort ließ eine lange Kette von Reisebussen schon die Menschenmenge erahnen, die sich auf einem Feld vor dem Wald zusammengefunden hatte. Etwa 50.000 Menschen strömten aus allen Richtungen über die Feldwege in Richtung Waldrand und fanden sich für eine Kundgebung ein. Sie setzten friedlich ein Signal gegen Braunkohle und für eine dringend benötigte Energiewende.

Verbände fordern das Ende der klimaschädlichen Braunkohle

Auf einer großen Bühne sprachen unter anderem Vertreter der Besetzer des Hambacher Forsts, Antje Grohus von der Initiative Buirer für Buir, Martin Kaiser als Geschäftsführer von Greenpeace und Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. Nach den offiziellen Kundgebungen von 10:30 bis 16 Uhr wurde mit einem Musikprogramm das vorläufige Ende der Rodung weitergefeiert. Mit 50.000 BesucherInnen gehört die Demonstration am 6. Oktober wohl zu den bislang größten Kohle-Protesten in Deutschland. Es bleibt zu hoffen, dass der Hambacher Forst nicht nur als Symbol für diese Proteste bestehen bleibt, sondern eine echte Wende in Richtung Ende der Braunkohleförderung und -verbrennung darstellt – nicht nur im Hambacher Forst, sondern auch im nur wenige Kilometer entfernten Garzweiler oder im Braunkohlerevier in der Lausitz. Die Rückständigkeit des klimaschädlichen Kohleabbaus in Hambach jedenfalls zeigt eine neue Studie: Selbst wenn RWE die Kohlekraftwerke bis 2040 laufen lassen würde, benötigte der Energiekonzern dafür „nur“ 700 Millionen Tonnen Braunkohle – die von der NRW-Landesregierung genehmigte und von RWE geplante Abbaumenge beträgt allerdings 2,3 Milliarden Tonnen,

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