Klimaschutz 1. Juli 2020

EU Klimaziele 2030: Was bedeuten die Szenarien des "Green Deals"?

Die Europäische Union will beim Klimaziel für 2030 nachschärfen – nur: wie sehr?
Wir haben uns gefragt was dieses Vorhaben bedeutet und welche Szenarien möglich wären.

Das aktuelle Ziel der EU sieht in Sachen Treibhausgasemissionen eine Minderung von 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 vor. Das Ziel soll nun aufgestockt werden: Im Gespräch ist aktuell eine Reduktion von 50 bis 55 Prozent. Der Vorschlag kommt von der EU-Kommission im Rahmen des sogenannten „Green Deals“ und stößt auch bei der Mehrzahl der EU-Staaten auf Zustimmung – auch Deutschland und unser Nachbarland Frankreich stimmen zu. Das Problem: Für eine endgültige Entscheidung ist eine einstimmige Zustimmung aller Länder erforderlich. Polen, Ungarn und Tschechien sträuben sich aktuell gegen diese Zielerhöhung.

50 bis 55 Prozent oder gar 65 Prozent Reduktion?

Dass auch eine Reduktion um 65 Prozent (im Vergleich zu 1990) möglich wären, zeigt eine Machbarkeitsstudie des Brüsseler Beratungsunternehmens Climact, beauftragt von der European Climate Foundation.
Das Ergebnis: „Die EU hat mehr Spielräume als gedacht. Bis 2030 könnte sie eine Reduktion um 55 Prozent schaffen, also den anspruchsvolleren Wert des aktuellen Vorschlags erreichen. Sogar 65 Prozent wären machbar“. Auch Umweltverbände und die Grünen im EU-Parlament halten dieses ambitioniertere Ziel für möglich.

Was aber bedeuten die verschiedenen Szenarien konkret?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Sanierungsrate bei Gebäuden müsste steigen: Im 55-Prozent-Szenario um 2,3 bis 3,4% pro Jahr bei Wohngebäuden; um jeweils 2,5 % bei Nichtwohngebäuden. Im Szenario von 65-Prozent-Reduktion jeweils um 3,5%.
  • Stahl müsste künftig zu mindestens 65% recycelt werden – beim 65-Prozent-Szenario müssten es sogar 75% Recyclingquote sein.
  • Die umstrittene CCS-Technologie („Carbon Capture and Storage“) müsste in allen Szenarien im Industriesektor eingesetzt werden. Bis zu 24 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr müssten demnach aufgefangen und anschließend unterirdisch abgelagert werden.
  • Klimaschutz beginnt auf unseren Tellern: Der Fleischkonsum pro Person müsste sinken. Dass das auch aus Gründen des Tierwohls und zum Schutz der Mitarbeitenden in Schlachtbetrieben zwingend notwendig ist, zeigen die aktuellen Covid-19-Ausbrüche in diesem Sektor.
  • In zehn Jahren sollten 88 Prozent der Neuwagen Nullemissionsfahrzeuge sein, der Rest Niedrigemissionsfahrzeuge. Im 65-Prozent-Szenario müssten sogar 93% der zugelassenen Neuwagen emissionsfrei fahren.
  • Die Uhr tickt beim Kohleausstieg: Spätestens 2030 müsste der Kohleausstieg vollzogen sein. Der Ersatz: Energiegewinnung vorwiegend aus Windkraft und Photovoltaik.

Ihr seht: Das Thema ist komplex, die vielen Zahlen machen die Sache nicht einfacher. Was wir dennoch für uns mitnehmen: Die Themen betreffen auch jede*n von uns im Alltag – und unsere Zukunft. Umso wichtiger, dass wir bis 2030 möglichst viel CO2 reduzieren beziehungsweise komplett vermeiden, um die Auswirkungen der Klimakrise, so gut es noch geht, einzugrenzen.

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Quellen und weiterführende Informationen:

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Verena SteindlPolitische Referentin+49 89 890 668 -334