Klimaschutz 13. August 2020

Hitzewelle in Europa- Ein Kommentar

Wir sind mitten drin im Klimawandel

Ein hitziger Kommentar zur deutschen Klimapolitik.

Halb Europa befindet sich mitten in einer Hitzewelle. In Sibirien taut währenddessen der Permafrost – 70 Jahre früher als angenommen. Die Temperaturen liegen derzeit oftmals tagelang bis zu 20 Grad Celsius über den bisher normalen Durchschnittstemperaturen. Alarmierend? Oh ja!

Besonders heiße Sommertage werden im Zuge der Klimakrise immer häufiger und lediglich – so war es beispielsweise in der vergangenen Woche der Fall –  durch Starkregenereignisse unterbrochen. Damit zeichnet sich auch 2020 ein Trend ab, der 2018 und 2019 schon bestätigt wurde und auch die letzten Skeptiker*innen wachrütteln sollte: Wir sind mitten drin im Klimawandel. Dass es in Mitteleuropa zwei Jahre in Folge so trocken ist, war davor zuletzt im 18. Jahrhundert der Fall.

Weder Gesundheitssystem, Äcker, Wälder, Flora und Fauna sind auf diese erneute Dürre vorbereitet. Und wir? Wir auch nicht, so fühlt es sich zumindest an. Wir haben einen Blick nach Berlin geworfen.

Was macht die Politik?

Auch die Abgeordneten des deutschen Bundestages ducken sich vor der sommerlichen Hitze und bleiben bis Ende August in der „Parlamentarischen Sommerpause“. Diese ist – so die Definition im Glossar des Bundestags – dafür da, um sich dem Wahlkreis zu widmen, zur Sitzungs- und Gesetzesvorbereitung und um sich mit „Detailfragen zu befassen“. Die Erderwärmung wäre eines der wichtigen Details wie wir finden: Das 1,5 Grad Ziel ist in weiter Ferne – aktuell steuern wir auf eine Erderwärmung von bis zu vier oder fünf Grad Celsius zu. Das hätte ökologische, soziale und wirtschaftliche Schäden zur Folge, die weit teurer sein könnten, als jetzt in effektiven Klimaschutz zu investieren.

Wir kennen den Impfstoff

Die Welt wartet auf einen Impfstoff gegen Covid-19, um weitere Todesfälle und schwerwiegende Krankheitsverläufe zu verhindern. In Sachen Klimakrise kennen wir den „Impfstoff“ bereits: Wir brauchen den schnellen Umstieg auf regenerative Energien und die dazu gehörigen Speichertechnologien, um Schwankungen im Netz sowie bei Bedarfsspitzen ausgleichen zu können. Trotzdem lässt sich Deutschland sehr viel Zeit beim Kohleausstieg. Noch bis 2038 wird Deutschland Kohle verstromen.

Währenddessen verspricht die bayrische Regierung den Fokus künftig auf den Ausbau der Photovoltaik zu setzen. Der bayerische CSU-Ministerpräsident Markus Söder forderte kürzlich das EEG grundlegend zu verändern. Im Frühjahr forderte Söder beim politischen Aschermittwoch sogar die Streichung des 52-Gigawatt-Deckels: „Der Deckel bei der Photovoltaik kommt weg“, sagte Söder. Bei der Windkraft will der Ministerpräsident dagegen weiter an der vielfach kritisierten Abstandsregelung 10 H festhalten.

Climate Action now!

Unser Fazit: Die Klimakrise tötet. Jetzt schon: Der europäischen Hitzewelle von 2003 fielen bereits rund 70.000 Menschen zum Opfer. Das ist 17 Jahre her. Seitdem hat die Politik vieles verschlafen. Kann das überhaupt noch aufgeholt werden? Eines ist sicher: Ohne den massiven Ausbau von erneuerbaren Anlagen zur Wärme- und Stromerzeugung werden wir das 1,5 Grad Ziel verpassen. Das Gute: So werden Arbeitsplätze geschaffen, die in anderen Sektoren wegfallen.

Wir sind und bleiben laut: Am 25. September gehen wir mit Fridays For Future, München muss handeln und vielen Menschen weltweit zum nächsten großen globalen Klimastreik. Bist Du dabei? Auf dem Laufenden bleiben kannst Du über unseren Newsletter.

 

Verena SteindlPolitische Referentin+49 89 890 668 -334