Mobilität 19. Mai 2020

Kick-Start für die Verkehrswende

Covid-19 definiert unser tägliches Leben und beeinflusst unser Mobilitätsverhalten. Seit den Ausgangsbeschränkungen ist der Anteil der mit dem Auto zurück gelegten Wegen massiv zurück gegangen. Ganz im Gegensatz zum Fuß- und Radverkehr, der seit März nicht nur wegen des guten Wetters stetig anwächst. Der Isarradweg ist voll wie zur Rush Hour, an den Ampeln ist kaum Platz, um ausreichen Abstand zu halten. Nebenan die gähnend leeren Autospuren – selten wird so deutlich, welches Verkehrsmittel in München am meisten Platz für sich beansprucht.

Weltweit schaffen Städte mehr Raum für Bewegung und umweltfreundliche Mobilität

Berlin markiert Pop-Up Radwege, Wien richtet Begegnungszonen in Wohnvierteln ein, auch Städte wie Mailand, Paris, Bogotá, Vancouver und New York reagieren und widmen quasi über Nacht Kfz-Spuren temporär für Fahrrad und Sport um. Diese Beispiele zeigen, wie mutige politische Entscheidungen und reaktionsschnelle Stadtverwaltungen in dieser Ausnahmesituation Straßenräume schnell und unkompliziert neu aufteilen – und den Menschen damit auch wieder mehr Raum in der Stadt zurückgeben.

Zunächst sollen die Maßnahmen den öffentlichen Nahverkehr entlasten und es den Menschen ermöglichen, sich sicher auf ihren alltäglichen Wegen durch die Stadt bewegen zu können. In München werden bisher rund 24 Prozent der Wege mit U-Bahn, Bus und Tram zurückgelegt. Wenn davon nur die Hälfte auf das Auto umstiege, würde sich auf Münchens Straßen bald gar nichts mehr bewegen. Deswegen ist es wichtig, bereits jetzt Vorkehrungen für die zukunftsfähige Stadt von Morgen zu treffen. Dabei geht es nicht nur darum, die Verkehrswende entschieden voranzubringen, sondern vielmehr um die Frage, wie wir unsere Stadt in Zukunft gestalten wollen.

Pop-up-bike-lane in Köln | Foto: ADFC Köln / Florian Bluhm

Zwei Möglichkeiten: Zurück zur Autobelasteten Stadt oder einen Schritt voraus in Richtung grünes und lebenswertes München

Gerade sehen wir es überdeutlich: Weniger Autos, weniger Luftverschmutzung und Lärmbelastung – München atmet auf. Mit mehr Grün und attraktiven Naherholungsräumen, schützen wir unsere Umwelt und unsere Gesundheit. Krisensituationen sind immer auch Momente des Umbruchs und der Neuordnung. Lasst uns die Corona-Pandemie also nutzen, um die Verkehrswende voran zu treiben und damit unsere Lebensqualität in München deutlich zu erhöhen. Wenn wir jetzt nicht entschlossen handeln, könnte die nachhaltige Verkehrsplanung um Jahre zurückgeschlagen werden. Damit würden auch die städtischen Ziele, 80 Prozent Umweltverbund in München bis 2025 und die Klimaneutralität bis 2035 mit Sicherheit verfehlt werden. Denn der motorisierte Verkehr ist einer der Hauptverursacher der Klimakrise in München. Ganz zu schweigen, dass wir eine Vision Zero, also keine Getöteten mehr im Straßenverkehr, bei einer Mehrbelastung des Straßenraums wieder ganz weit hintenanstellen müssten.

Die Corona-Pandemie als Beschleunigungsprogramm für die ohnehin schon beschlossene Verkehrswende

Wie wollen wir uns künftig idealerweise fortbewegen? Die Antwort lautet sowohl vor als auch nach der Corona-Pandemie: Möglichst klimaneutral, leise und platzsparend. München täte also gut daran, die aktuelle Ausnahmesituation zu nutzen und bereits geplante Maßnahmen zur Neuaufteilung des Straßenraumes schnell und wenn nötig erst mal als Pilotversuch umzusetzen. Es geht jetzt darum, an entscheidenden Stellen die rechtlichen Spielräume zu nutzen und mit politischem Mut und beherztem Handeln, langfristige und nachhaltige Verbesserungen für den Rad- und Fußverkehr zeitlich vorzuziehen. Damit sich die Situationen für zu Fuß gehende und Radelnde sofort verbessert und die Verkehrswende für München spürbar an Fahrt gewinnt!

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