Mobilität 30. Mai 2022

Rasengleis statt Tram im Stau – Verkehrswende auch in der Leopoldstraße

Eine neue Tram Nordtangente soll nach Planungen der MVG spätestens ab 2025 / 2026 die Stadtteile nördlich der Innenstadt miteinander verbinden. Die vom Münchner Norden über die Münchner Freiheit in den Westen und Süden geplanten Linien bieten den Fahrgästen künftig neue, attraktive Direktverbindungen:

Kieferngarten – Münchner Freiheit – Hauptbahnhof – Laim und Schwabing Nord – Münchner Freiheit –
Englischer Garten – Haidhausen – Giesing – Harlaching.

Ein Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Vertreter*innen des Umweltverbundes, zu dem auch Green City e.V. gehört, befürwortet den Ausbau des ÖPNV-Netzes. Gleichzeitig muss aber auch das Radwegenetz im Bereich der Leopoldstraße ausgebaut werden.

Damit die Verkehrswende gelingen kann, müssen bei der Realisierung der Tram Nordtangente folgende Punkte berücksichtigt werden:

Vorrang für den Umweltverbund in der Leopoldstraße

Im Entwurf der Mobilitätsstrategie hat der Stadtrat beschlossen, „bei der konkreten Planungsentscheidung eines Projekts oder einer Maßnahme vor Ort“ aufgrund der Flächeneffizienz den Umweltverbund zu priorisieren. Damit ist sowohl für den Radschnellweg wie auch für einen eigenen Gleiskörper der Tram ausreichend Platz.

Schon beim Beschluss Radschnellweg Münchner Norden im September 2021 beauftragte der Stadtrat die Stadtverwaltung, den Autoverkehr auf der Ludwig- und Leopoldstraße „bereits an der Ingolstädter und Ungererstraße auf den Mittleren Ring abzuleiten“ (20-26 / V 02721).

Im Bereich der Leopoldstraße braucht es jetzt den gleichen Mut und Weitsicht wie bei der Ludwigsbrücke: Dort hat sich der Stadtrat 2019 für eine Reduzierung auf eine MIV-Fahrspur pro Richtung entschieden. Die Stadtratsentscheidung bedeutet breite Rad- und Fußwege und eine attraktive, eigene Spur für die Tram. Die Reduzierung der Fahrspuren war auch Voraussetzung für die weitergehende Reduzierung der Fahrspuren und den Radweg in der Rosenheimer Straße, sowie eine Reduzierung von Fahrspuren auf dem Altstadtring.

Rasengleis für den Boulevard Leopoldstraße

Zu einem attraktiven ÖPNV gehört auch ein störungsfreier Betrieb der Tram. Das ist nicht der Fall, wenn die Tram sich die Spur mit dem Autoverkehr teilen muss. Die ÖPNV-Spur der Tram ist in beiden Richtungen in Mittellage zwischen den Fahrspuren zu führen, um gegenseitige Störungen mit dem Lieferverkehr zu vermeiden.

Ebenso muss die Busspur für den Bus 59 zwischen Münchner Freiheit und Hohenzollernstraße erhalten bleiben. Der Bus 59 ist bereits heute massiven Störungen ausgesetzt. Ein Entfall der Busspur würde das noch verschlimmern. Nur zwischen Münchner Freiheit und Hohenzollernstraße wird eine gemeinsame ÖPNV-Spur für Bus-und Trambetrieb benötigt. Alle anderen Abschnitte werden als Rasengleis ausgeführt.

Ein Rasengleis reduziert die Bodenversiegelung und verbessert das Mikroklima – so kann der ÖPNV auch hier einen Beitrag leisten. In absoluten Notfällen können Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge auch das Rasengleis nutzen.

Realisierung des Radschnellweges nach Garching

Der Radschnellweg nach Garching ist entsprechend den Regelwerken und den Vorgaben des Radentscheids München zu realisieren.

Erhalt der Haltestelle Hohenzollernstraße

An der Hohenzollernstraße befinden sich viele Geschäfte und andere Einrichtungen, die ein hohes Fahrgastpotential erwarten lassen. Eine Trambahnhaltestelle an der Hohenzollernstraße gewährleistet – zusammen mit den umsteigefreien Verbindungen per Tram in viele Stadtviertel – eine attraktive ÖPNV Anbindung in und aus weiten Teilen Münchens.

Auch verkürzt eine Haltestelle an der Hohenzollernstraße den Fußweg zu Zielen in der Hohenzollern- und Nikolaistraße und deren Nebenstraßen – der Fußweg ist deutlich kürzer im Vergleich zu einem Weg von der Giselastraße oder Münchner Freiheit. Grundsätzlich liegt der Haltestellenabstand zwischen Münchner Freiheit und Giselastraße in einem Bereich (ca. 500m), der auf den ersten Blick eine zusätzliche Zwischenhaltestelle nicht unbedingt erforderlich machen würde. Da aber die Hohenzollernstraße inmitten eines dicht bebauten Stadtteils
liegt – sozusagen im Herz Schwabings – ist hier mit hoher Nachfrage zu rechnen.

 

Kein Radfahrstreifen in Mittellage an der Kreuzung Franz-Joseph-Straße / Leopoldstraße

Der geplante Radfahrstreifen in Mittellage (d.h. zwischen den beiden MIV-Spuren) im Kreuzungsbereich der Franz-Joseph-Straße mit der Leopoldstraße ist aus folgenden Gründen abzulehnen:

  • Radfahrstreifen in Mittellage (RIM) sind gefährlich und werden von den meisten Radfahrenden als unattraktiv empfunden. Insbesondere weniger erfahrene Radfahrende weichen teilweise auf den Gehweg aus oder fahren eine alternative Strecke.
  • Radfahrstreifen in Mittellage widersprechen dem Beschluss zum Radentscheid („baulich
    getrennte Radwege“)
  • Kinder <8 Jahren dürfen dort nicht fahren, sehr wohl aber auf den guten baulich getrennten Radwegen im Zulauf zur Kreuzung. D.h. vor der Kreuzung müssten diese auf den Gehweg wechseln (vgl. §2 (5) StVO).

Stattdessen muss die bereits vorliegende und deutlich bessere Alternativplanung mit durchgehend (beinahe) Radentscheid-konformen Radwegen und einer Einbahnstraße für den Kfz-Verkehr in Richtung Westen (oder eine gleichwertige Lösung) umgesetzt werden.

Optimierung der geplanten Radwege- und Haltestellensituation an der Giselastraße

Die Haltestellen an der Giselastraße sind vor der Kreuzung Leopold- / Franz-Joseph- / Giselastraße geplant. Da die Trambahnen in unterschiedliche Richtungen abbiegen sollen, ergibt sich, dass es Richtung Ziel je zwei Abfahrtshaltestellen gäbe – so muss Richtung Elisabethplatz entweder in der Giselastraße (östlich der Leopoldstraße) oder auf der Leopoldstraße eingestiegen werden. Das ist lästig für die Fahrgäste, da nie klar wäre, an welcher Haltestelle die nächste Tram zum gewünschten Fahrziel kommt.

Wesentlich sinnvoller ist es, die Haltestelle nach der Kreuzung anzuordnen. Dann ist für jedes Fahrziel nur eine einzige Haltestelle vorhanden. Selbst im Störungsfall und bei Umleitungen hält die Tram damit immer an der richtigen Stelle. Wir fordern daher, die Planung entsprechend zu überarbeiten und Haltestellen hinter der Kreuzung einzurichten. Im Fall von Konflikten innerhalb des Umweltverbundes sind entsprechende Varianten mit den Konflikten den Verbänden vorzustellen.

Mehr zu den Forderungen für den Bau der Tram Nordtangente

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Katharina HornMobilität / Sprecherin Radentscheid MünchenVideo: "Kurz gefragt"
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