Ein Thema, das mit neuen Rekordtemperaturen und drohender Trinkwasser-Knappheit in München im Sommer 2026 eine neue Dringlichkeit erhalten hat. Hitze in der Stadt. In einem Interview sprechen wir mit Priscila Stark über ihre Forschung zum Thermischen Komfort.
Priscila Stark ist Doktorandin an der Technischen Universität München. Forschungsschwerpunkt: Landschaftsentwicklung, Klimaanpassung, Planung grüner Infrastruktur. In einer ihrer Arbeiten hat sie sich mit Münchner Plätzen beschäftigt. Genauer: Welche „urban squares“ besonders unser Wohlbefinden steigern.
Wir haben die Brasilianerin, die seit 2018 in München forscht und arbeitet, im Sichtungsgarten Weihenstephan getroffen. Es ist Mai, Hummeln fliegen vorbei, überall blüht es.
Priscila, wie sollte ein Platz in einer Stadt wie München aussehen, um bestens für die Klimakrise gerüstet zu sein?
Stark: Leider gibt es keine magische Formel, die auf alle Plätze angewendet werden kann. Jeder Platz hat eine andere Umgebung. Die Höhe der umliegenden Häuser, die Beschaffenheit des Bodens, die Verschattung durch Bäume und Gebäude – all das spielt eine Rolle.
Was aber allgemein gültig ist: Nicht nur die Anzahl der Bäume, sondern auch die Artenvielfalt wird zukünftig immer wichtiger. Wächst auf einem Platz nur eine Baumart, können alle Bäume auf einmal von einer Baumkrankheit dahingerafft werden. Durch den Klimawandel wird das immer wahrscheinlicher. Artenvielfalt erfüllt hier also auch eine Schutzfunktion.
Wie würde ein Platz aussehen, den Du selbst gestalten könntest?
Stark: Ich habe mir in meiner Forschungsarbeit alle Jahreszeiten angeschaut – also nicht nur, wie Plätze im Sommer besser funktionieren, sondern auch, wie Menschen sich im Winter auf Plätzen wohlfühlen können. Meine Forschung bezog sich dabei auf den sogenannten „Thermischer Komfort“ – sprich, das Wohlbefinden der Menschen aufgrund der Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Strahlungswärme usw. Und während im Sommer an Hitzetagen Bäume aber auch Verschattung durch Gebäude eine wichtige Rolle für unser Wohlbefinden spielen, ist die Sonneneinstrahlung im Winter genauso relevant.
Daher würde ich sommergrüne Bäume pflanzen, die im Winter ihr Laub verlieren und dadurch für Sonnenstrahlen durchlässig werden. Außerdem würde ich – aus bereits genannten Gründen – verschiedene Baumarten anpflanzen.
Welche Plätze in München fördern unser thermisches Wohlbefinden besonders und warum?
Stark: In meiner Forschungsarbeit haben wir fünf Plätze verglichen: Den Alpenplatz, den Alten Hof, den Bordeauxplatz, den Hohenzollernplatz und den Marstallplatz. Im Sommer haben aufgrund der Verschattung der Hohenzollernplatz, der Bordeauxplatz und auch der Alpenplatz – obwohl er so klein ist – gut performt. Im Winter hat hingegen der Alte Hof einen Vorteil gehabt: Er hat kaum Bäume, dadurch war die Sonneneinstrahlung höher und das Wohlbefinden der Menschen vor Ort besonders hoch.
Damit will ich allerdings nicht sagen: Pflanzt keine Bäume. Pflanzt Bäume, aber pflanzt sie so, dass es Sinn macht. Spannend fand ich zum Beispiel, dass auf dem Hohenzollernplatz und auf dem Bordeauxplatz ungefähr gleich viele Bäume wachsen, auf dem Bordeauxplatz diese allerdings so angeordnet sind, dass in der Mitte ein breiter Korridor entsteht, der im Sommer besonders heiß wird. Auf dem Hohenzollernplatz sind die Bäume deutlich besser verteilt.
Letzte Frage: Wie wirkt sich denn der thermischen Komfort auf das Verhalten der Menschen aus?
Stark: Ein Platz, der sich positiv auf den thermischen Komfort auswirkt, wird von uns Menschen gerne aufgesucht und als Erholungsort genutzt. Das wiederum führt dazu, dass soziale Interaktionen gefördert werden und die mentale Gesundheit sich dadurch verbessern kann. Außerdem wirkt sich ein solcher Ort auch positiv auf die physische Gesundheit aus. Denn wo wir uns wohlfühlen, treiben wir auch lieber Sport.
Danke an Priscila Stark, dass sie sich die Zeit für ein Interview mit uns genommen hat. Hast Du nun auch das Bedürfnis mehr über die Möglichkeiten zu Fassadenbegrünung, Entsiegelung und Co. zu erfahren, melde Dich gerne bei unserem Begrünungsbüro.
Das Interview wurde auf englisch geführt und von Green City e.V. übersetzt.