Du verlässt das Haus. Blauer Himmel. Keine Wolke in Sicht. Obwohl es noch früh am Tag ist, schlägt Dir sofort die Wärme entgegen. Zum Glück hast Du Dich heute für luftige Kleidung entschieden und alles Wichtige schon erledigt. Ein freier Tag! Auf zur Isar, das gute Wetter genießen und sich etwas abkühlen. Dort angekommen lächelt Dich ein schattiger Platz unter einem Baum an.
Nach Sonnenuntergang wird es plötzlich frisch. Mist, Jacke vergessen! Also auf nach Hause. Nach ein paar Minuten bist Du schon auf der Reichenbachbrücke, Du gehst ein paar Meter und plötzlich fällt Dir auf, dass Du gar nicht mehr frierst. „Das wird wohl an der Bewegung liegen“, denkst Du, doch je weiter Du läufst, um je mehr Ecken Du biegst, desto wärmer wird es. Ganz verwundert kommst Du zu Hause an und beginnst zu recherchieren:
Verschärft wird diese Situation dadurch, dass München gleichzeitig das geringste Grünvolumen unter den Millionenstädten aufweist. Auf einen Quadratmeter Fläche kommen hier nur 2,75 Kubikmeter dreidimensionales Grün (wie beispielsweise Baumkronen).
Diese künstliche Kruste wirkt doppelt fatal: Sie speichert tagsüber die Wärme und strahlt sie nachts wieder ab, und sie blockiert den natürlichen Wasserkreislauf. Regenwasser fließt oberflächlich in die Kanalisation ab, anstatt zu versickern. Dadurch kommt die natürliche Kühlung der Stadt zum Erliegen. Einerseits fehlt das Wasser im Boden, das verdunsten und die Luft abkühlen könnte. Andererseits dreht die Versiegelung unserer stärksten natürlichen Klimaanlage – den Stadtbäumen – den „Treibstoff“ ab. Ein Baum kann uns nur dann kühlen, wenn er Wasser aus dem Erdreich saugen und über die Blätter verdunsten kann. Ein etwa vier Meter hoher Baum erbringt so viel Kühlleistung wie zwei kleine Klimaanlagen. Unter der Krone alter, vitaler Bäume ist die Bodenoberfläche an heißen Tagen um durchschnittlich 12 °C kühler als auf einer unbeschatteten und versiegelten Fläche.
Jeder entsiegelte Quadratmeter hilft dabei und bringt entscheidende Vorteile für die Stadt und ihre Bewohnenden:
Der Umbau von einer grauen zu einer grünen Stadt ist heute keine Frage der Optik mehr, sondern eine absolute Notwendigkeit für unsere Gesundheit und Sicherheit. Die gute Nachricht lautet: Jeder Quadratmeter zählt. Du musst nicht darauf warten, dass andere handeln, sondern kannst selbst aktiv werden, um Dein direktes Umfeld zu entsiegeln und zu begrünen.
Die Entsiegelung von Bodenflächen ermöglicht, dass Wasser auf natürliche Weise versickert, Grundwasserspeicher aufgefüllt und Überflutungen vermieden werden. Versiegelte Flächen können in wasserdurchlässige Bereiche mit Pflastersteinen oder Kiesbedeckung umgewandelt oder direkt mit Grasflächen, Sträuchern und Bäumen begrünt werden.
Ob und wie Du entsiegeln kannst, hängt von Deiner Situation ab:
Wenn Du Dein Grundstück entsiegeln möchtest, identifiziere zunächst geeignete Flächen und berücksichtige die Kosten für Umsetzung und Pflege. Folgende Punkte sind entscheidend:
Das Projekt Abpflastern von Green City unterstützt Dich mit fachkundigen Anregungen und Hinweisen sowohl praktisch bei der Umsetzung der Entsiegelung als auch bei der anschließenden Begrünung. Jeder Quadratmeter zählt.
Mehr Informationen über Begrünung findest Du beim Begrünungsbüro von Green City e.V., das Dich zu Anpassungsmaßnahmen an Klimaveränderungen im Münchner Stadtgebiet berät.
Alternativ kannst Du auch mit Fachleuten wie Landschaftsarchitekt*innen oder Gärtner*innen zusammenarbeiten. Zudem kannst Du Dich bei Deiner Entsiegelung von der Stadt München im Rahmen des Förderprogramms „Begrünung“ finanziell unterstützen lassen.
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