Urbanes Grün 30. Juni 2026

Wie sehen Stadtbäume der Zukunft aus, Nayanesh Pattnaik?

Wir treffen Nayanesh Pattnaik an einem kühlen Tag Mitte Mai in Freising, direkt vor dem Bürogebäude, in dem sein Lehrstuhl angesiedelt ist. Seit 2022 ist Pattnaik Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung an der Technischen Universität München. Das Gebäude, in dem er arbeitet, ist von Pflanzen umgeben. Selbst im lichtdurchfluteten Innenhof sind Bäume gepflanzt. Und damit wären wir auch schon beim Thema. Pattnaik forscht zu städtischer grüner Infrastruktur in München.

Zuallererst: Welche Faktoren müssen bei der Pflanzung von Bäumen beachtet werden?

Pattnaik: Grundsätzlich gibt es zwei Faktoren, die beachtet werden müssen. Alles, was sich über und unter der Erde abspielt. Wasser, Feuchtigkeit und Licht sowie der Raum für die Wurzeln spielen bei der Pflanzung von Bäumen eine Rolle. In der Stadt muss zudem die Distanz zwischen den Bäumen und die Distanz zwischen Baum und Gebäude beachtet werden. Dabei gilt es beispielsweise die potenzielle Breite der Krone zu berücksichtigen.

In Zeiten von immer heißeren Sommern ist zusätzlich zu bedenken, welche Arten wir für immer heißere Sommer pflanzen.

Dazu hast du auch geforscht. Was sind denn in München Bäume der Zukunft?

Pattnaik: Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Grundsätzlich gilt: Heimische Pflanzen und Vielfalt sind wichtig. Das Problem mit der Hitze ist allerdings, dass heimische Arten oft nicht gut damit zurechtkommen. Sie sind häufig sehr gestresst, wenn es heiß wird. Hinzu kommt, dass wir nicht genau wissen, wie heiß es tatsächlich werden wird. Das hängt maßgeblich davon ab, wie wir heute handeln. Daher ist es schwer zu sagen, was wir heute pflanzen sollen, denn die Zukunft ist sehr ungewiss.

Man hört immer wieder, dass München in Zukunft so heiß sein könnte wie Mailand. Wäre es also eine Option, Bäume zu pflanzen, die dort bei der Hitze gut wachsen?

Pattnaik: Auch wenn es in München so heiß wäre wie in Mailand – München hat auch kalte Winter. Bäume aus Mailand könnten die Münchner Hitze im Sommer vielleicht überleben, die Kälte im Winter aber eher nicht.

Was würdest du der Stadt München raten, um sie besser auf eine heißere Zukunft vorzubereiten?

Pattnaik: Oft werden Gebäude geplant und erst im Nachhinein wird darüber nachgedacht, wo genau welche Bäume gepflanzt werden könnten. Das sollte von Anfang an berücksichtigt werden. Außerdem ist es wichtig, nicht nur neu zu pflanzen, sondern auch alte Bäume zu schützen. Unter einem alten Baum kann die gefühlte Temperatur bis zu 10 Grad niedriger sein als in der Umgebung. Zudem speichern größere Bäume mehr CO₂ als frisch gepflanzte Bäume.

Und zuletzt ist eine Vielfalt an Pflanzen wichtig. Wenn beispielsweise nur eine Baumart gepflanzt wird, kann eine einzige Krankheit sehr viele Bäume gleichzeitig dahinraffen. Ein vielfältiger urbaner Wald ist für mich eine der großen Lösungen, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Was genau ist ein urbaner Wald?

Pattnaik: Ein urbaner Wald umfasst alle Bäume und Pflanzen, die es in der Stadt gibt. Damit sind sowohl der öffentliche als auch der private Bereich gemeint. In München haben wir berechnet, dass die meisten Bäume im privaten Bereich, also in den Gärten der Münchner*innen, stehen. Das ist eine große Chance, aber auch eine große Herausforderung. Einen vielfältigen Stadtwald in München zu erschaffen, liegt somit auch in den Händen von Einzelpersonen.

Was können Einzelpersonen ohne Garten tun, um sich für einen vielfältigen Stadtwald einzusetzen?

Pattnaik: Die Bürger*innen sollten mit der Politik im Dialog bleiben, mehr Grün fordern und gemeinsam mit der Forschung an Lösungen arbeiten. In der dicht bebauten Altstadt Münchens könnte beispielsweise Fassadenbegrünung eine Lösung sein.


Unser Begrünungsbüro – Für mehr Grün in der Stadt

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