Urbanes Grün 26. Oktober 2026

Das eigene Viertel mitgestalten – langfristige Umgestaltung des öffentlichen Raums in München

Ein Parkplatz kann zum Treffpunkt werden. Eine ungenutzte Fläche kann zum Gemeinschaftsgarten werden. Und aus einer temporären Aktion kann ein dauerhafter Platz für die Nachbarschaft entstehen. In München gibt es bereits viele Beispiele dafür, wie Anwohner*innen den öffentlichen Raum selbst mitgestalten. 

Genau hier setzt die Quartiersberatung von Green City e.V. an. Sie unterstützt Münchner*innen dabei, Veränderungen in ihrem Viertel anzustoßen und umzusetzen – von den ersten Überlegungen bis hin zu den konkreten Schritten, die dafür nötig sind. 

Dass sich Engagement im Viertel lohnt, zeigen zahlreiche Projekte in München. Manche Veränderungen sind erstmal nur für kurze Zeit geplant. Sie machen sichtbar, wie ein Ort anders genutzt werden kann: Eine Fläche, die bisher vor allem dem Autoverkehr oder dem Parken diente, wird für einige Wochen oder Monate zum Treffpunkt, zur Grünfläche oder zum Aufenthaltsort. Die Menschen im Viertel können ausprobieren, was funktioniert, und direkt erleben, wie sich der Ort dadurch verändert. 

Andere Projekte bleiben langfristig bestehen. Und manchmal wird aus einer temporären Aktion genau das, was sich Anwohner*innen dauerhaft für ihr Viertel wünschen. Wie das aussehen kann, zeigen die folgenden Beispiele:
 

Ein neuer Radweg in der Zeppelinstraße

In der Zeppelinstraße wurde ein Zweirichtungsradweg umgesetzt, der den Anforderungen des Radentscheids München entspricht. Damit steht den Radfahrenden ein mehr als fünf Meter breiter Radweg zur Verfügung. 

Die Breite schafft Platz für unterschiedliche Situationen: Radfahrende können sich gegenseitig überholen, Eltern können neben ihren Kindern fahren und zwei Menschen können nebeneinander unterwegs sein, ohne auf den Gehweg oder in den Gegenverkehr ausweichen zu müssen. Durch die bauliche Trennung vom Autoverkehr entsteht zudem mehr Abstand zwischen Radfahrenden und fahrenden Autos. 

Für den neuen Radweg mussten allerdings rund 90 Parkplätze entfallen. Die Umgestaltung zeigt damit auch einen typischen Konflikt bei der Neuverteilung des Straßenraums: Mehr Platz für den Radverkehr bedeutet an dieser Stelle weniger Platz zum Parken. Wie solche Flächen künftig genutzt werden, betrifft unterschiedliche Menschen im Viertel und kann entsprechend kontrovers diskutiert werden.

Fotos: Veronika Heizmann / Green City e.V.

Vom Eisstockplatz zum Entenbachplatz

Am Entenbachplatz zeigt sich, wie aus einer temporären Aktion ein dauerhafter Nachbarschaftsort entstehen kann. Wo heute ein begrünter Platz zum Aufenthalt einlädt, verlief früher eine Abbiegespur. 

Die erste Umgestaltung entstand im Rahmen des Projekts „aqt – autoreduzierte Quartiere für eine lebenswerte Stadt“. Zunächst wurde die Fläche unter anderem mit einer temporären Eisstockbahn genutzt. Danach bekamen Anwohner*innen Hochbeete zur Verfügung gestellt und entwickelten die Fläche weiter. 

Aus dem Engagement entstand schließlich der Verein Schaufel und Ente e. V. Die Anwohner*innen setzen sich seitdem für den Erhalt und die Gestaltung des Platzes ein und haben so einen dauerhaften Treffpunkt im Quartier geschaffen. 

Der Rosengarten als „Essbare Stadt“

Auch im Rosengarten der Baumschule Bischweiler können Münchner*innen selbst Hand anlegen. Dort wurde das Projekt „Essbare Stadt“ zunächst von Bürger*innen angestoßen und später in einen dauerhaften Gemeinschaftsgarten überführt. 

So funktioniert es: Für eine Gartensaison können Münchner*innen die Patenschaft für ein zwei Quadratmeter großes Beet übernehmen. Sie bekommen eine Einführung, Saatgut und Pflanztipps. Wasser und Gartengeräte stehen vor Ort zur Verfügung. Was auf dem eigenen Beet wächst, kann anschließend selbst geerntet und verwendet werden. Der Gemeinschaftsgarten bringt dabei nicht nur mehr Grün in die Stadt, sondern schafft gleichzeitig auch ein Miteinander: Menschen können dort ins Gespräch kommen und gemeinsam gärtnern. 

Vom Zenetti-Platz zur Piazza Zenetti

Die Piazza Zenetti entstand 2018 im Rahmen des Forschungsprojekts „city2share“. Auf dem damaligen Zenetti-Platz wurde eine Mobilitätsstation eingerichtet und ein Teil der bisherigen Parkplatzfläche für andere Nutzungen geöffnet. Aus dem öffentlichen Parkplatz wurde ein Ort für Aktionen, Aufenthalt und Begegnung. Die Mobilitätsstation machte gleichzeitig verschiedene Sharing-Angebote sichtbar und nutzbar. 

Was zunächst als temporäres Projekt gedacht war, blieb: Mit Unterstützung der Bürgerinitiative und des Bezirksausschusses 2 Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt wurde die Fläche dauerhaft als Aufenthaltsort gestaltet. Heute kümmern sich Anwohner*innen unter anderem um Grünpatenschaften und Hochbeete auf der Piazza. 

Straßen neu denken: Ludwigstraße und Augustenstraße

Nicht jede Veränderung beginnt mit einem kleinen Nachbarschaftsprojekt. Auch größere Umbauten können verändern, wie Menschen ihren Stadtraum nutzen. 

Für die Ludwigstraße wurde deshalb ein Wettbewerb durchgeführt. Die Straße hat heute teilweise bis zu sechs Fahrspuren. Der prämierte Entwurf sieht vor, Flächen für den Autoverkehr zu reduzieren und dafür mehr Raum für Fuß- und Radverkehr sowie für Bäume zu schaffen. Dabei sollen die denkmalgeschützte Bebauung und die historische Sichtachse der Straße erhalten bleiben. 

Auch die Augustenstraße soll umgestaltet werden. Geplant sind unter anderem breitere Flächen für Fuß- und Radverkehr. Die Beispiele zeigen, dass Straßen nicht unveränderlich sind: Ihre Aufteilung kann sich ändern, wenn sich die Anforderungen an den öffentlichen Raum verändern.

Mehr Grün vor der eigenen Haustür

Wer nicht gleich einen ganzen Platz oder eine Straße umgestalten möchte, kann auch mit einer kleineren Fläche anfangen. Mit dem Projekt Grünpat*innen können Münchner*innen eine Fläche im Straßenbegleitgrün in der Nähe ihres Wohnorts übernehmen. 

Die Pat*innen bepflanzen ihr Beet mit Stauden, die von der Staudengärtnerei der Landeshauptstadt München zur Verfügung gestellt werden, und kümmern sich anschließend um die Pflege und das Gießen. Die Patenschaft ist nicht zeitlich begrenzt, sondern läuft so lange, wie die Pat*innen sich um die Fläche kümmern können. 

Die bepflanzten Flächen machen Straßen grüner und schaffen gleichzeitig Nahrung und Rückzugsorte für Insekten und andere Tiere. 

Was kannst Du in Deinem Viertel verändern?

Die Beispiele zeigen: Eine Veränderung muss nicht mit einem großen Bauprojekt beginnen. Oft entsteht sie, indem Anwohner*innen einen Ort neu denken, etwas ausprobieren und gemeinsam weiterentwickeln. 

Genau dabei unterstützt die Quartiersberatung von Green City e.V. Sie richtet sich an alle, die ihren öffentlichen Raum mitgestalten möchten – unabhängig davon, ob es zunächst um eine Idee oder ein konkretes Vorhaben geht. 

Green City berät dazu, was vor Ort möglich ist, welche Genehmigungen benötigt werden und worauf es bei der Planung ankommt. Die Beratung hilft dabei, aus ersten Überlegungen ein umsetzbares Vorhaben zu entwickeln und gibt Orientierung bei allen praktischen Fragen. 

Wer also sein Viertel mitgestalten möchte, findet bei der Quartiersberatung Unterstützung und konkrete Hilfestellung. Denn manchmal beginnt eine dauerhafte Veränderung mit einer kleinen Idee.

Nächste Veranstaltung der Quartiersberatung

Kontakt

Andrea Skiba(sie/ihr)
Urbanes Grün
+49 89 890 668 – 326
Christian Grundmann(er/ihm)
Leitung Kommunikation
+49 89 890 668 - 323

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