Gemüse selber ziehen: Tipps zum Aussäen und Anpflanzen

Junges Gemüse, Streetlife Festival, Green City e.V., Foto: Tobias Hase

Du willst im Sommer leckeres, selbst gezogenes Gemüse auf Deinem Balkon ernten? Dann ist jetzt die ideale Zeit, mit dem Vorziehen der Pflänzchen zu beginnen. Aber Vorsicht: Raus ins Freie dürfen die Jungpflanzen erst im Mai nach den Eisheiligen. Was Du beim eigenen Gemüseanbau außerdem beachten solltest, verrät Dir unsere Garten-Expertin Irene Nitsch.

Augen auf beim Samenkauf

Besorge Dir am besten samenfeste Bio-Samen. Sie sind zwar ein bisschen teurer als ihre konventionellen Kollegen, dafür kannst Du sie aber jahrelang nutzen. Denn im Gegensatz zu den so genannten Hybridsamen, die von der Saatgutindustrie für die einmalige Aussat gezüchtet werden, kannst Du aus den geernteten Früchten wieder neue Samen für die nächste Saison gewinnen. Mehr Infos zu samenfesten Sorten und Hybriden findest Du in unseren Hintergrundinfos.

Green City-Tipp:

Tu Dich mit FreundInnen und NachbarInnen zusammen. Jeder kauft ein Samentütchen und anschließend tauscht Ihr gegenseitig. Die meisten Tütchen enthalten Samen für 20-90 Pflänzchen, beziehungsweise zwei bis zehn Quadratmeter, also weit mehr als ein/e einzelne/r Hobby-GärtnerIn benötigt. Wenn Du am Ende der Saison Samen übrig hast, kannst Du Deinen Überschuss auch auf einer der vielen Samentausch-Börsen gegen andere samenfeste Sorten tauschen. So bereicherst Du nicht nur Deinen Gemüsegarten, sondern trägst auch zum Erhalt alter regionaler Sorten bei.

Essbare Stadt, Foto: Green City e.V.

Die richtige Erde wirkt Wunder

Samenkörner sind zarte Wesen und benötigen besondere Umgebungsbedingungen um zu keimen, zu gedeihen und zur Jungpflanze heran zu wachsen. Ihre Wurzeln bleiben gesund, wenn die Erde wenig Düngesalze und viel Feuchtigkeit enthält. Deshalb sind normale Blumenerden nicht so gut geeignet. Genauso wenig wie reiner Torf, da er keinen Kalk enthält, der für ein gesundes Wachstum notwendig ist. Um Deinen Pflänzchen die besten Startbedingungen zu geben, besorge Dir am besten so genannte Anzuchterde.

Green City- Tipp:

Karotten mögen es sandiger als andere Gemüsesorten. Mische einfach etwas sauberen Spielsand unter die Anzuchterde. Deine Möhren werden das lieben!

Grüne Schule, Green City e.V., Foto: Van der Ploeg

Kleine Gefäße, große Wirkung

Wenn Du wenig Platz auf Deiner Fensterbank hast und unterschiedliche Gemüsesorten vorziehen möchtest, dann sind leere Eierkartons eine gute Option. Füll Sie einfach mit der Anzuchterde und setze einen Samen mit einer Pinzette hinein. Danach solltest Du die Samen vorsichtig aber regelmäßig gießen, damit die Erde immer feucht bleibt. Wenn die ersten Setzlinge sichtbar sind, kannst Du den Eierkarton zerschneiden und die Setzlinge samt Karton in mit Erde gefüllte Blumentöpfe pflanzen oder ab Mai dann auch direkt ins Freie setzen.

Green City-Tipp für‘s Gärtnern mit Kindern:

Leere Milch- oder Saftkartons eignen sich hervorragend als Blumentöpfe. Bemalt und oder beklebt entstehen daraus sogar regelrechte Kunstwerke. Achte darauf, dass Du kleine Löcher in den Boden pikst, damit sich kein Wasser staut. Anschließend kannst Du die Aufzuchterde einfüllen und die Samen vorsichtig einsetzen. Wichtig ist, dass Du pro Karton nur eine Samensorte verwendest, dann gedeihen die Pflänzchen am besten.

Essbare Stadt, Foto: Green City e.V.

Wasser und Licht – nicht zu viel und nicht zu wenig

Licht ist unentbehrlich für das Wachstum der kleinen Pflänzchen. Damit sie gleich von Anfang an genug davon bekommen, solltest Du ihnen einen hellen und warmen Platz suchen. Idealerweise ein Fensterbrett. Beim Thema Wasser ist Dein Fingerspitzengefühl gefragt. Die Erde sollte zwar immer feucht, aber nie richtig nass sein. Und unbedingt vermeiden solltest Du Staunässe. Wenn die Tage im April langsam wärmer werden, kannst Du Deinen Pflänzchen tagsüber auch mal eine Frischluftkur im Freien gönnen.

Wir wünschen Dir viel Spaß beim Aussäen!

 

Hintergrund-Infos zum Thema Samen

Samenfeste Sorten werden über Jahre auf bestimmte Eigenschaften durch Kreuzung und Selektion gezüchtet. Diese Eigenschaften können Farbe, Geschmack, Form, Resistenzen, etc. sein. Vermehrt man diese Sorten über ihr Saatgut, erhält man in den nächsten Generationen Pflanzen mit denselben Eigenschaften – dies nennt man samenfest, sortenrein oder nachbaufähig.

Hybridsamen werden vorrangig in den meisten Supermärkten und Garten-Centern angeboten, oft mit dem Aufdruck F1. Diese Samen werden von der Saatgutindustrie für den einmaligen Gebrauch gezüchtet. F1 ist eine Kreuzung in erster Generation. Das heißt, man erhält bei der Kreuzung zweier sortenreinen Eltern-Pflanzen in dieser ersten Generation einheitliche Nachkommen. Vermehrt man sie jedoch weiter, tritt in der nächsten Generation – der F2 – die größtmögliche genetische Aufspaltung auf. Das bedeutet, die Wahrscheinlichkeit wieder eine Tomate oder Zucchini wie im Vorjahr zu ernten, ist sehr gering.

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